Boni

Februar 17th, 2009

Ich frage mich, woraus sich die Kraft dieser Debatte und vor allen Dingen dieser Empörung schöpft. Denn erst einmal reden wir hier über Zahlungen, die Arbeitnehmern vertraglich zugesichert wurden. Und pacta sunt servanda. Auch wenn es sich sicher um Personen handelt, deren Gehälter in der Regel weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen, planen Bezieher von Boni diese in ihr Jahresgehalt fest mit ein. Ja: auch fünfzigtausend Euro, die man nicht bekommt, sind ein schmerzhafter Verlust. Absolut gesehen sogar sehr sehr schmerzhaft.

Aber vielleicht ist dieses schon ein wichtiger Punkt: wir sind neidisch. Wir denken, dass diese Leute ihr Geld nicht verdient haben. So, wie wir denken, dass Lehrer ihr Geld nicht wert sind, oder Rechtsanwälte oder Makler. Alle ihr Geld nicht wert. Und wie zur Bestätigung haben wir jetzt auch noch diese Finanzkrise. An der sind die Banker Schuld, die haben das verbockt. Und zwar jeder einzelne, jeder hat seinen Job schlecht gemacht. Deshalb sollte eigentlich keiner mehr einen Bonus zu bekommen. Zumal dann nicht, wenn der Staat einspringen musste.

Letzteres ist immer die Stelle, an der ich gewillt bin, zuzustimmen. Wie viele soziale, kulturelle oder auch therapeutische Einrichtungen gibt es, denen immer mehr Mittel und Stellen gekürzt werden? Wo Gelder so hart erstritten werden müssen? Weil der Staat schlicht kein Geld hat, wie man uns seit Jahren glaubhaft versichert?
Und dann, ganz plötzlich, ist es überhaupt kein Problem, mal 50 Milliarden hier und mal 100 Milliarden da zu verteilen. Ich gehe davon aus, dass es den meisten so geht wie mir- ich weiß noch nicht mal, wie diese Zahlen geschrieben werden. Geschweige denn, was sie bedeuten.

Trotzdem glaube ich, dass ich an dieser Stelle nicht Recht habe, wenn ich zustimme. Denn, und ich überspitze jetzt mal ein wenig, wenn wirklich viele Banken pleite gegangen wären und mein Geld morgen nichts mehr Wert ist und meine Ersparnisse weg sind (Puuhh, zum Glück habe ich gar keine), so dass ich mir nichtmal mehr ein Brot beim Bäcker kaufen kann, weil Geld schlicht kein akzeptiertes Zahlungsmittel mehr ist- auch keine EC-Karten-, dann wäre alles vorbei. Insofern glaube ich durchaus, dass diese ganzen Milliarden gut angelegtes Geld sind. Und deshalb ist es auch richtig, dass die Verträge mit den Mitarbeitern der Banken eingehalten und Boni weiterhin gezahlt werden.

Theoretisch. Praktisch werden jedoch in der Regel nicht konkrete Zahlen vereinbart, sondern Zielboni. Ob diese tatsächlich in voller Höhe ausgezahlt werden, hängt meist vom persönlichen Grad der Zielerreichung und der Zielerreichung des Unternehmens insgesamt ab. Hier eine Bespielrechnung, quasi Mathe für Dummies: Zielbonus 100.000 Euro, Zielerreichung 90% (0,9) multipliziert mit Zielerreichung des Unternehmens 0% (0,0) ergibt 0 Euro Bonus. Das wäre dann die Hintertür, die sich jedes Unternehmen offen hält. Für Zeiten wie diese.

An dieser Stelle wird es nun wirklich ärgerlich. Nix pakta sunt servanda. Man muss nicht, man will diese Boni zahlen. Teilweise einfach mal ein deutsches Durchschnittseinkommen obendrauf. Oder mehr. Und das macht sogar gerade jetzt Sinn. Zum Beispiel damit die besten Köpfe nicht gerade jetzt in der Krise gehen (denn sie finden ganz einfach einen neuen Job) und im ohnehin schon angeschlagenen Unternehmen nur noch die Leute arbeiten, die sicher nicht hilfreich sind bei der Bewältigung der Krise. Oder um die Mitarbeiter zu motivieren, damit sie wirklich in dieser angespannten Lage ihr allerallerbestes geben. Denn diese Funktionen haben Löhne und Gehälter ja auch.

Das einzige, worüber ich mich wirklich wundere, ist diese Scheinheiligkeit, mit der viele Unternehmen behaupten, sie müssten diese Boni zahlen, es ginge nicht anders. Darüber, dass sie damit durchkommen, wundere ich mich.